Franziska Sebode

Psychotherapie (Heilpraktikerin), psychologische Beratung, Coaching

 

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# a letter to my friends                                                                                                  August 2019

Some of you I have known for a long time, some for months: many of you live far away and we meet from time to time. In the meantime we are connected via whatsApp, Facetime and Instagram. And sometimes one or another of you tells me you are feeling blue, depressed,  unworthy, misunderstood and unsure about what is wrong.  

Children learn to understand their feelings and to communicate about them, when they are babies and toddlers. They learn this like a language from their mother. She translates the terrible unknown experiences of first pain, fear and rage. Children don´t know yet, what happens when going through strange physical experiences: increased heartrates, bellyaches or other pains.

The mother then takes the baby in her arms and explains, “Oh baby, you are hurt/ angry/ afraid. That’s painful, I can imagine. I’m here to help you through this. I love you and it will be better soon.” This way the child learns to name different kinds of feelings and experiences and how to cope them.

Do you remember? No? 

Perhaps you think your feeling is hunger  because you received sweets as a child when you were crying? Perhaps you think your feelings are wrong, because you were asked to stop crying because it is, “Not so bad” or “You always exaggerate“? Or maybe you feel absolutely nothing, only emptiness, paralysis and helplessness, because such feelings  even today are not understandable or bearable for you.

You are not the only one, be certain of that.

Many parents don’t teach their babies this language of emotions. They are so busy with themselves, are emotionally needy or maybe didn’t learn this language in their own childhoods. They were children too, some of them in difficult circumstances or hard times.

So how do we  deal with this situation as  grown-ups? How do we live with times of mental darkness?

Well, firstly (this may sound disillusioning): it is what it is. You can’t change your past. The only way to handle the now is through acceptance.

If we accept ourselves as we are (and you are all beautiful and worthy and adorable), then we do not have to worry about not meeting the expectations of others. 

The love you are looking for and that makes you free, can be given solely by yourself. 

Humans only are able to give what they own: if they are busy with themselves, are emotionally needy and don’t love themselves, how can they give love to others?

And if you permanently need the feedback of others to feel lovable and worthy, you will become like a junkie: always dependent on the opinion of others. If you start loving yourself, you will become peaceful and generous. And the love of others will be a beautiful add on, not a support for survival.

Depression is a product of helplessness and absent self-sufficiency. Anger about others can’t be addressed. Maybe you are angry about your husband, your child, your parents, somebody you could lose or hurt. So your body makes it impossible to fight and tells you the unspeakable: paralysing you with depression. It’s a kind of psychological self harm.

I don’t know your parents. Maybe they are very needy too. Maybe they used you to get the love that they couldn‘t give to themselves. They behave, as they learned during their own childhoods, to survive emotionally.

Forgive them. They gave the best they could. And maybe not even that. Searching the past and looking for guilt doesn’t make you happier. Only acceptance and forgiveness can free your heart. And maybe this will enable you to engage in new communication on an equal level; if you want, if it is good for you. If not, let it be. YOUR well-being counts.

Check your current situation: are you safe? Do you know where you belong? Is there a sense of purpose in your daily life? Are you able to be yourself? What is your reason to get up in the morning? Are your relationships healthy or toxic?

Since Instagram we all know, that the world consists of beautiful, rich and happy people. Except you. But even this makes you special….

You are not great and lovable because you sing, dance, have a special hair colour or the newest handbag. It’s because you are the special YOU. 

Remember the words of the stewardess: “In case of cabin air pressure loss, put your oxygen mask on first, before helping others.”    I am happy to have met you all. You are part of my big-world-family and I love you all. Be generous and merciful to yourselves. Love yourselves. Don't expect perfection from yourself, no more than from others. You are always enough. 
Let’s stay connected and let us talk




# familiengeheimnisse – der stille einfluss des unausgesprochenen                        Juni 2019

Über die Rolle der Kommunikation in einem System habe ich schon geschrieben. Es gibt aber noch eine – mitunter sogar viel stärkere – Macht, die oft über Generationen hinweg Einfluss auf Fühlen, Denken und Tun einer Familie nimmt. Etwas, das nicht sichtbar ist, keinen Raum in Erzählungen und Bildern findet. Es scheint nicht zu existieren, ist jedoch oft stärker als Worte: Das Unausgesprochene.

In der heutigen Zeit findet die Sorge um die seelische Gesundheit eine immer höhere Akzeptanz.

Ängste, Süchte, Depressionen werden in Therapien begleitet, nach traumatisierenden Erlebnissen wird therapeutische Unterstützung angeboten, nicht zuletzt durch soziale Medien und Presse finden viele Themen ihren Weg an die Öffentlichkeit und verlieren ihre Stigmata.

Denken wir nun an unsere Eltern- und Großelterngeneration. Sie lebten in einer Zeit, in der der häufigste Umgang mit derartigen Themen das Schweigen und Leugnen war.

Die Geschehnisse in den 2 Weltkriegen sind wohl an keiner Familie spurlos vorbeigegangen. Im Krieg gibt es keine Gewinner. Waren es die Männer mit ihren Kriegserlebnissen, oft Täter und Opfer zugleich; die unzähligen Toten, die Frauen, zurückgelassen, in Angst um Leben und Gesundheit, oft Missbrauch ausgesetzt; die Kinder inmitten all dem – jeder hat seine eigenen Erlebnisse erlitten, verdrängt, vergraben.

Vertreibung, Entwurzelung, Vergewaltigung, Gefangenschaft, Hunger, Schuldgefühle, Sterben und Leiden – mindestens 3 Generationen waren gleichzeitig traumatischen Situationen ausgesetzt.

Aber wer kann sich erinnern, dass Opa aus dem Krieg erzählt hat? Wessen Eltern haben davon berichtet, wie es war, in einem zerstörten Land zu leben, Hunger und Entbehrungen zu erleben? Wessen Großmutter oder Mutter hat von Vergewaltigung berichtet?

In jedem Land, jeder Kultur gab und gibt es solche Vergangenheit. Die stillschweigende Devise lautete weiterleben und nicht zurückschauen.

Aber auch wenn nicht über die Verletzungen gesprochen wurde – vielleicht sogar gerade WEIL sie nicht ihren Raum für Heilung finden durften, haben sie eine große Überlebenskraft entwickelt. Sie haben sich im Handeln und Denken ihrer Träger verankert.

Man kann nur geben, was man besitzt. Wenn aber Urvertrauen, inneres Gleichgewicht, empfangene bedingungslose Liebe und Glaube an das Gute nicht oder nur teilweise angelegt wurden, ist auch deren Weitergabe nicht möglich. Wenn die Eltern selbst emotional bedürftig sind, kann das Kind sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse nicht kennenlernen. Es wird sich so verhalten, dass es seinen Eltern gut geht: artig, fleißig, sich selbst zurücknehmend. Und dieses Kind wird – wenn es erwachsen wird - diesen Kreislauf fortsetzen bei seinen Kindern.

Und so haben Generationen ihr Unausgesprochenes durch Handeln oder Vermeidungen weitergegeben. Und oft hatte der Eine oder Andere das Gefühl, dass etwas nicht zusammenpasst, dass irgendetwas fehlt. Aber es gab dazu keine Erklärung, keine Geschichte.

Erst wenn das Unausgesprochene zu Worten wird, kann es seinen Raum finden. Dann werden plötzlich Fragen beantwortet, dann fügen sich Puzzleteile zusammen. Warum waren die Großeltern immer so distanziert miteinander? Warum war Oma so oft traurig? Warum hat der Vater nie über Gefühle gesprochen? Warum war Mama oft depressiv? Warum wurde Kummer weggetrunken?

Wenn das Familiengeheimnis kein Geheimnis mehr ist, kann Heilung eintreten. Vielleicht nicht mehr bei der ersten Generation. Aber das Verständnis kann den Weg öffnen zu einer neuen, offenen Kommunikation der nachfolgenden Generationen. Verständnis ist die Basis für Vergebung und Loslassen. Dann ist der Blick frei für das Hier und Jetzt.

Lasst uns reden! 


# wie unsere kinder werden, wer sie sind....                         Februar 2019

In meinem Umfeld sprechen wir gerade viel über die Vorkommnisse an Schulen, über Mobbing unter Kindern, über Ausgrenzung und Rassismus. Die Vorkommnisse sind erschütternd, aber auch nicht neu. Es hat den Anschein, als nähmen die Hemmungen im Alltag immer mehr ab.

Was können wir als Erwachsene, als Eltern und Verwandte, als Freunde und als Unbeteiligte tun? Auf welche Art können wir Einfluss nehmen?

Unsere Kinder lernen ihr Verhalten nicht aus Worten, sie lernen durch Erleben und Zusehen. Sie lernen durch Vorbilder und durch ihr tägliches Wahrnehmen.

Jeden Tag hören Kinder gute Ratschläge von Eltern, Lehrer und sogar Fremden, wie sie sich richtig zu verhalten haben: „Sei fair zu anderen; respektiere andere Menschen; liebe dich selbst, wie du bist; teile; sei fleißig; beleidige niemanden; sei ehrlich“ und viele andere mehr.

Aber Botschaften haben immer mehrere Ebenen – und von denen ist die verbale Ebene nur die Spitze des Eisbergs. Viel stärker wahrgenommen werden die nonverbalen Botschaften: Mimik, Gestik und vor allem Handlungen.

Wie agieren wir selbst in der Realität? Welche Worte benutzen wir hinter dem Steuer, wenn die Kinder auf dem Rücksitz sitzen? Wie verhalten wir uns an der vollen Kasse, am Buffet im Urlaub, im vollen Zug, gegenüber dem Obdachlosen, dem Fremden? Wie sprechen wir zu Hause über Kollegen, Lehrer, andere Eltern, Verwandte? Welche Kommentare setzen wir im Internet ab?

Sind die Botschaften identisch oder widersprüchlich? Leben wir, was wir fordern? 

Die Mutter, die der Tochter ein gesundes Körperbild vermitteln will, selbst aber vor dem Spiegel herablassend über sich spricht. Die Eltern, die Offenheit vom Kind verlangen, selbst aber heimlich abends streiten und Harmonie vortäuschen. Der Tratsch über die neuen Eltern in der Klasse, die unfähige Lehrerin, den schwulen Kollegen; der Konsum von Fernsehformaten, in denen Schwächere vorgeführt werden, Makel und Unzulänglichkeiten in aller Breite zum Thema gemacht werden…

In einer Mobbingsituation gibt es viele Beteiligte. Die Mobbenden, die Opfer und nicht zuletzt die Zu- und Wegseher. Jedes Verhalten hat seine Geschichte. Angst, selbst zum Opfer zu werden, das Gefühl, allein nichts unternehmen zu können, Desinteresse, mangelnde Empathie.

Haben wir zu unseren Kindern ein starkes belastbares Vertrauensverhältnis? Teilen sie sich uns mit? Haben wir Rituale in der Familie, in der jeder seinen Raum findet?

Ich rede hier nicht vom gemeinsamen Abendbrot, bei dem der Fernseher läuft und das Handy auf dem Tisch liegt. Sondern von regelmäßigen gemeinsamen Zeitfenstern, bei denen wir uns austauschen – auch über Erlebnisse, die uns gefreut oder geärgert haben. Bei denen wir unseren Kindern zeigen, dass man gemeinsam eine Lösung findet, unterschiedliche Ansichten in Ordnung und Fehler erlaubt sind.

Werden alle Sorgen erst einmal ernst genommen, so geringfügig sie uns auch vorkommen? Freuen wir uns gemeinsam über Erfolge, auch die vermeintlich kleinen?

Wir sind Vorbilder, in allen unseren täglichen Rollen. Natürlich sind wir nicht perfekt – aber wir können uns entscheiden, jeden Tag ein bisschen bewusster zu werden und die Augen gegenüber unserer Umwelt und uns selbst offen zu halten. Änderungen beginnen immer bei uns selbst.

Lasst uns reden! 



#2019 - das neue buch schreiben                                           Januar 2019

Jetzt liegt es vor mir, das neue Buch. Leer. Unbeschrieben. Einladend. Herausfordernd. Fragend.

Was wird darin am Ende des Jahres zu lesen sein? Welche Geschichte wird es erzählen? Und vor allem: wer wird diese Geschichte schreiben? Wer ist verantwortlich?

Wir schreiben unser Buch – wir allein.

Jeder Satz, jede Seite ist eine bewusste Entscheidung:  Sich auf Dinge einzulassen, Neues zu probieren, zu lieben, zu leiden. Auch nichts von alledem zu tun, ist unsere alleinige Entscheidung.

Unsere Umwelt, die Welt, die Anderen – sie sind, wie sie sind.

Ihr Verhalten liegt außerhalb unseres Einflussbereiches. Wir haben keine Kontrolle über die Welt außerhalb von uns. Aber wir können bestimmen, wie wir uns ihr gegenüberstellen. Ob wir sie annehmen und uns ihr stellen, oder ob wir resignieren und die Verantwortung für Gelingen und Scheitern abgeben.

Nichts und niemand hält uns davon ab, die beste Version von uns selbst zu sein. Andere Menschen durch unser Handeln zu berühren und von ihnen berührt zu werden. Gutes Beispiel zu sein und guten Beispielen zu folgen.  

Wie viele gute Vorsätze werden nicht umgesetzt? Mehr Sport zu treiben, weniger zu arbeiten, nicht mehr zu rauchen, gesünder zu essen, keine Dinge mehr anzuhäufen, die man eigentlich nicht braucht?

Am Ende des Jahres ist meist alles beim Alten geblieben. Warum?

Weil wir zwar vage wissen, was wir NICHT MEHR wollen oder vielleicht sogar sollen – aber nicht klar ist, WAS wir stattdessen wollen.

Wir müssen uns der Frage stellen, wofür das alte Verhalten gut war:

  • Was haben wir an dessen Stelle NICHT getan?
  • Wovon hat es uns abgelenkt?
  • Was mussten wir nicht fühlen?
  • Was hat es ersetzt?

Erst wenn wir diese Fragen beantworten können, können wir entscheiden, was wir stattdessen tun:

  • Das Zulassen von Unsicherheit, das Aushalten von Einsamkeit oder der Angst, nicht zu genügen?
  • Die Überwindung, neue Wege zu gehen, ausgetretene Pfade zu verlassen, neue Menschen in unser Leben zu lassen und vielleicht auch andere daraus zu entlassen?
  • Sich emotionaler Bedürfnisse bewusst zu werden und sie auszusprechen, an statt sie wegzuessen,  wegzutrinken, in Dunst aufzulösen, auszusitzen?
  • Zu akzeptieren, dass wir alle nicht perfekt sind und gerade das uns so liebenswert macht?
  • Sich dessen bewusst zu werden, dass wir auf unendliche viele Dinge keinen Einfluss haben, sondern einzig und alleine unseren eigenen Weg finden können, damit umzugehen?

Das sind die Fragen, die wir uns stellen sollten, bevor wir die erste Seite des Buches aufschlagen und den Stift in die Hand nehmen.

Sie sind es wert. Selbstverantwortung ist anstrengend, aber das Gefühl ist großartig und befreiend.

Und immer ist unser selbst gelebtes eigenes Leben spannender und erfüllender, als das leben eines fremden Lebens.

Lasst uns reden! 


#glaubenssätze - die macht unserer überzeugungen       Dezember 2018

Das letzte Blatt am Baum erinnerte mich heute an eine Geschichte.

Ein Mädchen war sehr krank und lag seit Monaten in seinem Bett. Sein Blick aus dem Fenster fiel auf einen Baum, und es sah den Sommer vergehen. Es hörte den Arzt zu den Eltern sagen: "den Winter übersteht sie wahrscheinlich nicht". Eines Tages sagte das Mädchen: „Ich werde sterben, wenn das letzte Blatt gefallen ist“.

Die Tage vergingen, das Laub fiel und eines Tages hing nur noch ein einziges Blatt am Zweig. Der Wind zog an ihm, der Regen machte es nass und schließlich wurde es von Schnee bedeckt. Aber es blieb an seinem Platz und das Mädchen hielt an jedem neuen Morgen Ausschau. Eines Morgens sprossen neben dem Blatt neue Knospen und der Frühling begann. Das Mädchen wurde stärker und eines Morgens stand es auf– geheilt und gekräftigt, besuchte den Baum und sah: der Vater hatte das Blatt mit einem kleinen Faden am Baum festgebunden.

So viele bewusste und unbewusste innere Glaubenssätze steuern unser Handeln. Sie können uns unendlich beflügeln oder am Wachsen hindern. Wir sind uns ihrer kaum bewusst, sie steuern aber die Bewertung unserer Welt.

Wer kennst sie nicht, die Sätze aus frühester Kindheit, die auch noch im Erwachsenenleben das Denken und inneren Überzeugungen vieler Menschen beeinflussen? Sie wurden von anderen gesagt und von dem kleinen Kind als eigene Stimmen übernommen:

  Das kann ich sowieso nicht.

Wenn die anderen zufrieden mit mir sind, bin ich in Ordnung.

Ich habe keine Ahnung, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Egal was ich tue, ich kann mein Schicksal nicht beeinflussen.

Wenn es anderen nicht gut geht, darf es mir auch nicht gut gehen.

Ich bin zu dumm, zu schwach, zu unattraktiv...

Ich habe sowieso immer Pech.

Aber es gibt auch Überzeugungen, die Berge versetzen, uns wachsen lassen und sogar die Heilung von Krankheit unterstützen. Diese Sätze wurden uns von Menschen gegeben, die selbst mit sich im Reinen waren, an uns geglaubt haben und uns geliebt haben. Diese Sätze sind wie die Blätter, die nicht vom Baum fallen und uns jeden Morgen zeigen, dass das Leben lebenswert ist.

  Ich bin liebenswert.

Alles hat einen Sinn und wird sich am Ende fügen.

Ich kann stolz auf alles sein, was ich erreicht habe.

Ich schaffe das, allein oder mit Unterstützung.

Ich werde gesund.

Ich kann die Situation vielleicht nicht ändern, aber das Beste daraus machen.

Ich kann mit meinem Handeln etwas bewirken.

Immer wieder einmal stehen wir vor Problemen und kämpfen mit den Widrigkeiten des Lebens. Dann hilft es, sich zurückzulehnen und unseren inneren Stimmen zu lauschen. Diejenigen zu aktivieren, die uns stärken und denen auf die Schliche zu kommen, mit denen wir uns selbst sabotieren.

Dann ist es gut, einen Partner zu haben, der die richtigen Fragen stellen kann:

Lasst uns reden! 


#über die wahl der richtigen worte                                  November 2018

Unsere Gedanken werden unsere Worte, unsere Worte definieren unsere Gedanken.

Unsere Worte führen zu Handlungen, diese zu Gewohnheiten. Und diese beeinflussen unseren Charakter und unser Schicksal. So sagt ursprünglich der Talmud, habe ich gelesen – dieser Spruch ist uns allen schon hier und da zu Ohren gekommen.

Aber wie sorgsam sind wir bei der Wahl unserer Gedanken und der Worte? Mit dieser Frage wurde ich letztens wieder konfrontiert. In einer Pressemitteilung berichtete ein Unternehmen darüber, dass es engagiert sei für Toleranz gegenüber Religion, Sexualität und Geschlecht seiner Mitarbeiter. Aber meinte der Schreiber wirklich Toleranz?

Werden diese Mitarbeiter erduldet, ertragen? Ist der Tolerante damit nachsichtig, weitherzig aus einer moralisch höheren Position heraus?

Oder war vielmehr Akzeptanz gemeint? Nimmt dieses Unternehmen seine Mitarbeiter an, so wie sie sind: eine großartige Vielfalt von Menschen unterschiedlicher Herkünfte, Hautfarben, Religionen und Lebensentwürfe? Treffen sich Menschen auf Augenhöhe, findet wirkliche Begegnung statt? Im vorgenannten Fall ist das tatsächlich der Fall.

Dieses Erlebnis war Anlass für mich zu reflektieren, wie wir mit Krisen, Erkrankungen, Problemen umgehen. Auch hier kann die Entscheidung für die richtigen Worte unsere Wahrnehmung und unseren Umgang mit der Situation beeinflussen. Nehmen wir die Situation hin? Erdulden wir sie und wehren uns mit allen Mitteln gegen eine unabänderliche Realität? Lassen wir uns von der Krise klein machen, emotional in Geiselhaft nehmen, lähmen? Oder nehmen wir die Situation an? Als Chance, eine neue Sichtweise einzunehmen, neue Ressourcen zu aktivieren? Wahre Akzeptanz schafft den Raum für Integration und Wachstum. 

Jede Krise zwingt uns erst einmal in die Knie. Jeder Eingriff in unsere emotionale und körperliche Unversehrtheit löst Angst, Trauer, Wut aus. Das ist natürlich, und diese Gefühle müssen ihren Raum bekommen. Sie wollen akzeptiert werden als Teil unserer Persönlichkeit. Weder Verdrängung noch Ignoranz bringen eine Lösung. Sie verschieben nur den Termin der Auseinandersetzung auf einen späteren Zeitpunkt, an dem die vertrauten Mechanismen nicht mehr funktionieren.

Die Diagnose einer Krankheit, der gegangene Partner, der verlorene Arbeitsplatz – auch die verlorene Jugend – sie alle sind nicht rückgängig zu machen. Sie lassen uns allein zurück, hilflos, überfordert, wütend, traurig, einsam. Das ist eine Tatsache. Aber die Art und Weise, wie wir mit damit umgehen, ist bewusst oder auch unbewusst unsere eigene Entscheidung.  Und diese Entscheidung beginnt in unserem Kopf, bei den Namen, mit denen wir sie benennen.

Ich habe tolle Menschen kennengelernt, die mit schier unerträglichen Problemen umgehen mussten und aus diesen Situationen heraus neue Sichten, Stärken und Kompetenzen entwickelt haben. Sie waren auch einmal schwach. Aber sie haben sich darüber hinaus Hilfe eingefordert, Schwäche, Wut und Angst ausgehalten. Sie sind wieder aufgestanden und haben die negativen Energien umgewandelt in Liebe, Weisheit, Kreativität. Viele konnten später anderen eine Hilfe sein.   

Lasst uns reden! 


#wenn Nester leer werden ...                                               Oktober 2018

Und nun lag da dieser Studienbescheid in der Post. Plötzlich und unerwartet – oder eher lange erfolgreich verdrängt – ist aus dem kleinen ein großer Mensch geworden. Einer, der zwar immer noch Kind ist und sich auch darauf beruft, der aber auch seine eigenen Entscheidungen trifft und erwachsen wird. Und der bald nicht mehr im Haushalt der Familie wohnt.  

Natürlich kam das alles nicht über Nacht, aber wie bei allen schwierigen Herausforderungen war Verdrängung lange Zeit eine erfolgreiche Strategie der Eltern.  

So viele Jahre hat sich fast jedes ihrer Gespräche um die Kinder gedreht. Wie oft wussten sie nur, dass das die „Eltern von“ sind und hießen selbst „Mama von“ und „Papa von“.

Die kleinen und großen Leistungen des Kindes waren immer der Stolz der Eltern und sie haben sich zu einem Großteil über das Kind definiert. Nicht zuletzt waren Alltag, Urlaubszeit- und -ort, Wochenende und Nachmittage gesteuert von Schule, Hausaufgaben,  Prüfungszeiten, Ferienkalender und Familienkompatibilität.

Dazwischen war wenig Raum für weitere Bedürfnisse und freie Entfaltung. Arbeit und Familie passten gerade noch unter einen Hut – mit ein bisschen quetschen, viel Engagement und gutem Willen.

Nun tut sich ein schier unendlicher Freiraum auf. Und doch ist die Freude verhalten. Warum?  

Ein großer Teil unserer Persönlichkeit braucht nun eine neue Definition. Einen neuen Sinn. Mehr Eigeninitiative.  

Fremdbestimmt sein hat nicht nur Nachteile, sondern auch einen Nutzen. Es bildet einen verlässlichen Rahmen für den Alltag und Entscheidungen. Es minimiert die Pflicht zur Eigenverantwortung. Es definiert einen Grund zum Durch- und Zusammenhalten im Interesse der Familie.                

Aber wer sind wir, wenn wir nicht mehr „die Eltern von“ sind? 

Wer sind wir als Paar?

Was verbindet uns?

Welche Baustellen brauchen Investitionen?

Worüber sprechen wir miteinander, mit anderen?

Was erwarten wir voneinander?

Was wurde bisher vermieden anzusprechen?

Brauchen wir eine neue Kommunikation?

Was wird der neue Lebensabschnitt bringen?

Passen unsere Lebenspläne übereinander?  

Das Erwachsenwerden der Kinder konfrontiert uns mit dem eigenen Altern, mit der eigenen Vergänglichkeit. Vielleicht auch mit vertanen Chancen, Verlusten und nicht realisierten Wünschen.  

Wie schaffen wir es, uns neue Räume zu erschließen und diese Zeit mit Sinn zu füllen?  

Oft geht dieser Lebensabschnitt einher mit dem allmählichen Auslaufen des Berufslebens. Altersteilzeitregelungen und vorgezogener Ruhestand treffen auf eine sich immer länger jung und gesund fühlende Generation.  

Wenn wir diese Fragen nicht als Krise, sondern als Chance zum eigenen Wachstum begreifen, können wir diesen nächsten Lebensabschnitt mit Energie angehen. Nehmen wir diese Herausforderung nicht an, dreht sich das System Familie im Kreis.  

Kann ein Kind frei seinen Weg gehen, wenn es sich verantwortlich für die emotional bedürftigen Eltern fühlt?

Kann es eigene Berufswünsche leben, wenn es die verpassten Chancen der Eltern nachholen soll?

Kann es seine eigene Familie gründen, wenn seine Eltern von ihm ihr neues Betätigungsfeld erwarten?

Darf ein Kind glücklich sein, wenn es das Gefühl von Schuld gegenüber "verlassenen" Eltern hat?

Sich all diesen Fragen zu stellen und proaktiv Lösungen zu finden, bedeutet die Übernahme von Verantwortung: uns selbst, aber auch unseren Kindern gegenüber. Loslassen ist immer auch Verlust. Der öffnet die Tür zu Neuem. Wir mussten schon viele Verluste verarbeiten: Aus dem Baby wurde ein Kleinkind, aus dem Kleinkind ein Schulkind, das wurde zum Teenager – und nun dieser große Schritt hinaus in das eigene selbstbestimmte Leben.  

Es wird nicht immer einfach sein, aber wir sind es ihnen und uns schuldig. Wir leben nur dieses Leben, es gibt keinen Reset-Knopf.

Lasst uns reden!


#krebs                                                                              September 2018

Da war es wieder, dieses leichte Ziehen in der Brust. Kaum spürbar, aber es gehörte nicht dort hin. Der Bauch wusste schon, was der Kopf noch nicht wahrnehmen wollte: Das war Gefahr. 

Aber mein Arzt war im Urlaub und ich wollte noch das lange geplante Wochenende an der Ostsee verbringen. Dort ließ mich jedoch die ganze Zeit das Gefühl nicht los, dass eine unbeschwerte Zeit ihrem Ende zu ging.

„Das sollten Sie genauer untersuchen lassen“. In mir kroch Kälte hoch.

Der Versuch, schnellstens einen Termin für eine Mammographie zu bekommen; die ausweichenden Augen des Radiologen, der dringlich eine Gewebeuntersuchung empfahl. Die Telefonate mit dem Brustzentrum der Charité für einen kurzfristigen Termin; das erste Gespräch mit der sehr empathischen und zugewandten Ärztin wenige Tage später; die Gewebeprobenentnahme; der Anruf, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelt: Ich erinnere mich nur noch an eine scheinbar endlose Starre, herausgefallen aus Raum und Zeit, lähmende Panik, die keinen klaren Gedanken zuließ. Viele gut gemeinte Worte, doch keines konnte mich erreichen.   

Brustkrebs ist die weltweit häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Für Deutschland heißt das: pro Jahr mehr als 70 000 Neuerkrankungen und etwa 17 000 Todesfälle. In meinem Umfeld gab es einige Fälle in den letzten Jahren. Aber doch nicht ich?!

Nach jedem morgendlichen Aufwachen begann in Sekunden der Gedankenkreisel: Oh Gott, es war kein Traum! Es ist vielmehr ein unendlicher Albtraum. Werde ich jetzt sterben? Werde ich mein Kind aufwachsen sehen? Wie wird meine Familie damit umgehen? Was kommt jetzt auf mich zu? Werde ich leiden? In meinem Leben gab es für vieles Pläne, aber doch keinen für Krebs!

Später begannen die Selbstvorwürfe: War ich schuld? War es der viele Stress der letzten Jahre? Das zu wenig für mich sorgen?

Das Schlimmste war der Verlust des Glaubens an die eigene Unverletzbarkeit. Würde ich je wieder unbeschwert in den Tag leben können?

Irgendwann übernahm die Realität wieder das Ruder und der Behandlungsmarathon startete. Gleichzeitig begann mein Weg zur Spezialistin in eigener Sache, denn der Krebs nahm sich nun ein riesiges Stück von meinem Leben, er wurde quasi mein neuer Alltag. Und ich merkte schnell, dass es dafür kein Handbuch gab, nur viele individuelle Wege und Entscheidungen.   

Bei allem, was jetzt kam, begleitete mich der Satz meiner wunderbaren Ärztin: „Sie werden jetzt nicht sterben!“

Bei ihr konnte ich aussprechen, wovor ich mich gegenüber Freunden und Familie gescheut habe. Sie hat wertungsfrei zugehört und die richtigen Fragen gestellt. Mein Vertrauen in sie hat meine Lebensenergie gestärkt.

So habe ich Operationen, Chemotherapie und Bestrahlung überstanden. Und jeder Tag brachte mich wieder ein Stück zu mir selbst zurück. Denn ich war nicht mehr hilflos ausgeliefert, sondern spürte auch wieder ein Stück Selbstwirksamkeit. Und wenn es nur das Aushalten der Nebenwirkungen der Chemo war, das Durchziehen aller notwendigen Behandlungen und die Annahme dieser neuen Situation.  

Am wertvollsten aber war es für mich, eine neue Sicht auf die Situation zu finden:

  • Was hatte ich durch die Krankheit gewonnen?  
  • Welche Möglichkeiten haben sich neu ergeben?
  • Wo waren ihre positiven Seiten?
  • Hatte ich je so viel freie Zeit nur für mich?
  • Wann war ich so oft spazieren, in Ausstellungen, Mittagessen mit Freunden und Kollegen?
  • Wie oft habe ich vorher auf mich gehört, meine Müdigkeit gespürt, darüber nachgedacht, was mir gut tut?
  • Welche Wünsche hatte ich vor mir hergeschoben, welche Ideen verworfen?

Auch die vielen Stunden in der Onkologie, die in meiner Vorstellung von traurigen, schwer kranken Menschen am Tropf bestimmt waren, stellten sich als große Bereicherung heraus. Ich habe selten so viel positive Energie und Lebensfreude erlebt, wie in dieser Zeit. Ich habe wunderbare Gespräche geführt mit tollen Frauen, die ihr Schicksal angenommen und das Beste daraus gemacht haben.  

So blicke ich heute – 4 Jahre später - auf diese Zeit vor allem mit Dankbarkeit zurück. Auch ein vollkommen unerwartetes Rezidiv 3 Jahre später habe ich mit viel Beistand und Unterstützung überstanden.

Ich lebe heute im Hier und Jetzt, schätze die Kostbarkeit des Lebens. Ich habe manches geändert und vieles beibehalten. Ich habe mich entschieden, jeden Tag bewusst zu leben und das Wichtige vom Unwesentlichen zu trennen.

Und ich habe es schätzen gelernt, mit jemandem zu sprechen, der nicht unmittelbar involviert ist und bei dem die Worte „ich kann mir vorstellen, wie es dir geht“ der Realität entsprechen.  

Das gilt im übrigen nicht nur für Betroffene, sondern auch für ihre Angehörigen. Denn sie stehen ebenso hilflos der Situation gegenüber, wie der Patient selbst.

So wie der Körper die medizinische Behandlung benötigt, braucht die Seele Rückhalt und Unterstützung, positive Energie und Annahme.

Im Oktober ist „breastcancer awareness month“. Achtet auf Euch und Eure Nächsten!



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